Biografie
Rudolf Koller wird am 21.5.1828 in Zürich geboren. Er besucht die Kunstakademie
in Düsseldorf (1846-47) und zieht Jahre später 1856 ins Haus "Zur
Hornau" am Zürichhorn, wo er bis zu seinem Tod am 5.1.1905 wohnt.
Gefeiert und später angefeindet als Schöpfer der "Gotthardpost" (1873),
ist sein Ruhm als Tier- und Landschaftsmaler begründet. Für sein
Lebenswerk verleiht ihm die Universität Zürich zum 70. Geburtstag die
Ehrendoktorwürde.
Herbstweide, 1867, Öl auf Leinwand, 256 x
206 cm
© Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten, Winterthur
Das in Ocker-, Gelb-,
Braun-, Grau-Schwarztönen gehaltene Gemälde
ist kompositorisch in zwei klar abgegrenzte Bildteile gegliedert. Im Vordergrund
des Idylls, von den liegenden Menschen im Mittelgrund horizontal separiert,
gruppieren sich die Kühe und Schafe. Im oberen, diagonal angeschnittenen
Bildteil wird der dunkle, aufgewühlte Himmel antagonistisch flankiert
von dem schwarzen, aus einem diffusen Licht hervortretenden Stier
links und vom festen, dicken, angeschnittenen Baumstamm rechts. Das
Bild liest sich wie eine naturalistische Illusionslandschaft, die Mensch
und Tier als ein Refugium dient. Es zeigt implizit das Unheil der heranrückenden
grossstädtischen Zivilisation, die als Motiv abwesend, hingegen
im Stier allegorisch dargestellt ist.
Springender Hund "Schnauzli", 1856, Öl
auf Leinwand, 84 x 100cm
© Kunsthaus Zürich
Den grossformatigen Gemälden Kollers gehen oft
exemplarische Einzelstudien wie die vorliegende voraus. Sie dienen
ihm später als Voraussetzung
für grössere Vorhaben, indem er die Bildelemente wie der "Springende
Hund" in einem malerischen Kopierverfahren über die vermittelnde
Funktion der Landschaft zu einem Bildganzen zusammenfügt. Dieses
Werk hält die Bewegung des Hundes wie in einem fotografischen Schnappschuss
fest. Die Szene selbst wirkt dadurch einerseits wie eingefroren, andererseits
wird sie mit malerischen Mitteln durch differenzierte Licht- und Schattenverhältnisse
belebt. Das 19. Jahrhundert fand in der Malerei noch keine Gestaltungsmöglichkeiten,
Bewegung als solche sichtbar zu machen. Erst den Futuristen gelang
um 1910 eine solche simultane Darstellung aller in einem Motiv enthaltenen
Sensationen.
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